Chronik

Chronik2018-12-11T17:03:30+02:00

Die Innung vertritt die Interessen der Kfz-Meisterbetriebe gegenüber Behörden (z. B. Umweltamt, Landratsamt, Arbeitsamt, Berufsgenossenschaft usw.) und Organisationen des Handwerks, des Handels, der Industrie und der Verbraucher. In dieser Funktion ist sie auch Bindeglied zu sämtlichen berufsständigen Organisationen.

Über die Verbandsorganisation auf Landes- und Bundesebene nehmen wir Einfluss auf Politik und Wirtschaft. Unsere Interessensvertreter halten intensiven Austausch mit Politikern auf regionaler Ebene genauso wie auf Landes-, Bundes- und Europaebene. Auch die Ministerien von Bund und Ländern sind intensive Gesprächspartner, wenn es um neue Verordnungen oder Gesetze mit Bezug auf das Gewerbe bzw. das Automobil geht. Von dieser intensiven Lobbyarbeit profitieren alle Kfz-Betriebe.

Die Ursprünge der Innung

Noch vor 70 Jahren war ein Auto eine Sensation. Während heute der Besitz eines Pkw fast schon selbstverständlich ist und aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken ist, zog noch vor Jahrzehnten jedes Fahrzeug die Blicke auf sich. Die Erfindung der ersten motorgetriebenen Fahrzeuge vor nunmehr weit über 100 Jahren löste eine ganze Lawine aus, die schlussendlich unter anderem auch dazu führte, dass sich ein neuer Handwerksberuf entwickelte und schließlich auch eine eigene Innung für die wachsende Branche.

Inzwischen kann unsere Innung des Kfz-Gewerbes in der Region Baden-Baden – Bühl – Rastatt auf über 70 Jahre zurückblicken.

Wenn auch die heutige Innung das Gründungsjahr 1945 trägt – ihre Ursprünge reichen viel weiter zurück. Schon vor dem Krieg formierte sich 1929 in Karlsruhe eine Kraftfahrzeuginnung für den gesamten mittelbadischen Raum. Der „Freien Innung für das Kfz-Handwerk im Landeskommissärbezirk in Karlsruhe“ gehörten auch elf Betriebe aus dem hiesigen Raum an. Auf bundesweiter Ebene wurde, um der Vertretung der wirtschaftlichen Interessen des Kraftfahrzeughandels, der Garagenbetriebe und Reparaturwerkstätten gerecht zu werden, schon 1910 der Deutsche Automobil Händlerverband gegründet, der sich seit 1990 „Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe“ nennt. Nachdem nach der innovativen Erfindung des motorbetriebenen Fahrzeuges die Produktionszahlen kontinuierlich stiegen, entstand notwendigerweise der Beruf des Reparaturschlossers von Automobilen. Viele gelernte Schlosser, Mechaniker, Schmiede, aber auch Wagner und Stellmacher zeigten sich dem neuen Verkehrsmittel aufgeschlossen gegenüber. Die wirtschaftlich harten Jahre nach dem ersten Weltkrieg verschärften die Situation der im Metallbereich tätigen Handwerker, so dass sich mancher entschloss, den damals topmodernen Beruf des Autoschlossers auszuüben. Pflege und Instandsetzung des revolutionären Verkehrsmittels bildeten die Hauptaufgabe der Autoschlosser.

Um die für ihren Berufsstand notwendigen Interessen vertreten und durchsetzen zu können, schlossen sich die „Neulinge“ zunächst zu einer eigenen Fachgruppe zusammen, bis 1928 die Badische Handwerkskammer Karlsruhe die Idee der Gründung einer eigenen Innung unterstützte. Die Karlsruher Interessensvertretung zählte zu den ersten Innungen in diesem neuen Beruf im neuen deutschen Reichsgebiet überhaupt. Als hilfreich erwies sich der Zusammenschluss auch für eine gezielte Nachwuchsförderung und Ausbildung von Fachkräften. In den goldenen 30er Jahren erlebte die Automobilindustrie einen enormen Aufschwung. Das Kfz-Gewerbe wuchs unaufhörlich und damit auch die Anforderungen an die Handwerker. 1935 wurde der Berufstitel „Kfz-Mechaniker“ offiziell eingeführt, der den Abschluss einer qualifizierten Berufsausbildung forderte. In einigen Gewerbeschulen wurden gesonderte Klassen für die neue Sparte eingerichtet, die Kfz-Innung überwachte die theoretische wie praktische Ausbildung.

Und auch in Baden-Baden entstand 1936 eine der ersten Vorlehren für das Kfz-Mechaniker-Handwerk. Die rechtliche Stellung der Innungen festigte den Berufsstand. Schon bald war die Mitgliedschaft für die Kfz-Reparaturbetrieb Pflicht. Weit über zwei Dutzend Betriebe zwischen Iffezheim, Gaggenau und Bühl gehörten vor 1945 der Karlsruher Innung an.

Der zweite Weltkrieg hinterließ viele Schneisen. Betriebe, die nicht den Zerstörungen zum Opfer gefallen waren, litten unter Plünderungen oder Beschlagnahmungen. Jedes noch vorhandene funktionsfähige Kraftfahrzeug, ob Pkw, Lkw oder Motorrad wurde rücksichtslos beschlagnahmt. Hinzu kam, dass durch die unterschiedlichen Besatzungsmachten mit ihren verschiedenen Vorschriften auch die bisherige Karlsruher Innung auseinandergerissen wurde.

Eine 45-Wochenstunde und durchschnittlich zwei Mark Stundenlohn für einen Gesellen, Überstundenzuschläge erst ab der 49. Stunde: Wer in alten Akten stöbert, findet immer wieder interessante Details. Auch die Geschichte der Kfz-Innung Baden-Baden – Bühl – Rastatt, birgt einige Überraschungen und Fakten, die in der heutigen Zeit Erstaunen hervorrufen können.

Nur wenige Protokolle und brauchbare Unterlagen sind aus den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg noch vorhanden. Wie alle Lebensbereiche hatte auch der ohnehin noch junge Bereich des Kfz unter den Wirren der Nachkriegszeit zu leiden. Die nach und nach aus dem Krieg heimkommenden Kfz-Meister versuchten neben der Wiedererrichtung ihrer eigenen Werkstätten wieder eine Berufsorganisation aufzubauen. Vorrangiges Ziel war es, die Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen. Das Interesse junger Menschen, in den Kfz-Beruf einzusteigen war so groß, dass zur Aufnahme in die Vorlehre eine schwere Auslese getroffen werden musste. Die ersten Lehrlinge wurden bereits wieder 1945 eingestellt. Wie fleißig der Nachwuchs war, zeigte sich auch daran, dass die jungen Menschen sich selbst eine Schmiede, Werkbänke und Lehreinrichtungen fertigten. Bis zum Jahr 1954 absolvierten sie ihre Meisterprüfung vor der Handwerkskammer in Freiburg, bis der hiesige Bezirk wieder zur Zuständigkeit Karlsruhe gehörte. Viele junge Männer wagten damals den Schritt in die Selbständigkeit und richteten eigene Kfz-Werkstätten ein. Insbesondere gebrauchte Fahrzeuge aus zurück erworbenen Besatzungsbeständen wurden wiederaufbereitet. Vom neuen Wirtschaftsboom profitierte nach der Währungsreform vor allem auch die Automobilbranche. Motorräder und deutsche Automobile waren gefragt und auch der Ersatzteilhandel florierte.

Mit der wachsenden Zahl an Fahrzeugen wurden auch die Ausweitung der Tankstellennetze und der Neubau vieler Autopflege-Stationen notwendig. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Innung immer mehr Mitglieder bekam. Einen Abgang von 27 Mitgliedern musste die Innung durch die Gebietsreform verschmerzen. Der Bereich Achern wurde der Innung Ortenau zugeordnet.

Kontinuierlich wuchsen die Anforderungen und Aufgaben an die Innung. Ausschüsse wurden gebildet, um den vielfältigen Herausforderungen, die auf Innungsebene für die Mitglieder zu regeln waren, organisieren zu können. Das Ausbildungs- und Prüfungswesen wurde den Entwicklungen angepasst und auch in den Betrieben vor Ort änderte sich mit der zunehmenden Technisierung und Elektronisierung vieles. Immer mehr wurde der tägliche Arbeitsablauf in den Betrieben von Wartungsarbeiten und Fahrzeugtesten sowie Diagnosen bestimmt.

Stolz ist die Innung in diesem Zusammenhang darauf, dass sie die erste war, die die Gesellenprüfung an Fahrzeug und Objekt abgenommen hat. Die Berufsausbildung hat für die Innung bis heute höchste Priorität. Bereits Ende der 60er Jahre wurde eine zukunftsweisende Berufsausbildung in die Wege geleitet, die unter anderem den Blockunterricht auf Innungsebene beinhaltete.
275 Kfz-Innungen gibt es in Deutschland; 1995 erhielt die Innung des Kfz-Gewerbes Baden-Baden – Bühl – Rastatt von der Fachzeitung „Autohaus“ das wohl schönste Kompliment ihrer Geschichte: „Die Innung gehört zu den Vorzeige-Innungen, sowohl im Dienstleistungsangebot als auch in der kollegialen Geschlossenheit.“

Kfz-Innung – Ansprechpartner für Viele

Sind Innungen ein Relikt alter Handwerksgilden? Einen Blick in den umfangreichen Aufgabenkatalog macht schnell deutlich, dass sich dahinter mehr verbirgt, als ein reiner Zusammenschluss von Gleichgesinnten. Innungen wie die Innung des Kfz-Gewerbes Baden-Baden – Bühl –Rastatt sind für ihre Mitglieder gleichermaßen Dienstleister wie für den Bürger. In erster Linie sieht sich die Innung als Interessensvertretung, die für alle im Kraftfahrzeuggewerbe tätigen Personen, vom Lehrling über den Kfz-Meister bis hin zum Unternehmer und Betriebsinhaber da ist. In technischen Fragen aber auch betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten will sie ihren Mitgliedern ein Partner sein. So stellt gerade auch die rasante Entwicklung im Kfz-Bereich, die Branche ständig aufs Neue vor Herausforderungen. Wissen und Können ist gefragt – der Kunde erwartet Spitzenleistungen im Wartungs- und Diagnosebereich sowie bei Reparaturen. Stillstand ist ein Fremdwort im Kfz-Handwerk. Die Aus- und Fortbildung hat daher auch höchste Priorität in der Innung. So werden von der Innung Prüfungen organisiert und abgenommen. Der Berufsnachwuchs aber auch die bereits Berufserfahrenen werden von der Innung in der Aus- und Weiterbildung betreut. Dem eigens gebildeten Gesellenprüfungsauschuss obliegt die Durchführung der Prüfungen. Ehrenamtlich engagieren sich erfahrene Innungsmitglieder in diesem Ausschuss. Ohnehin lebt auch die Kfz-Innung vom freiwilligen Einsatz ihrer Mitglieder. Um die Aufgaben zu verteilen, hat die Innung einige Arbeitskreise eingerichtet, die insbesondere auch den Obermeister mit seinem Vorstand entlasten sollen.

Bereits innerhalb des Vorstandes um Obermeister Dieter Burkart werden die Aufgaben aufgeteilt. Während sich der eine schwerpunktmäßig um die Berufsausbildung kümmert, ist ein anderer für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, ein dritter fungiert als Umweltbeauftragter. Weitere Vorstandsmitglieder vertreten Fachgruppen wie Lkw, Handwerk und Handel. Des Weiteren hat die Innung Ausschüsse für Berufsausbildung, Gesellenprüfung und Schlichtung eingerichtet, in denen sich ebenfalls zahlreiche Mitglieder engagieren. Darüber hinaus haben sich im Laufe der Jahre Arbeitskreise gebildet, die von speziellen Zielgruppen besucht werden. So treffen sich Inhaber von freien Werkstätten um aktuelle Themen und Probleme zu besprechen. Zum Erfahrungsaustausch finden regelmäßig auch die „Innungsdamen“ zusammen. Wer über 60 Jahre ist und seinen Betrieb abgeben hat, ist beim Arbeitskreis Senioren willkommen. Gerade auch in den Arbeitskreisen wird der Gemeinschaftsgeist verbunden mit der „Standesehre“, auf die die Innung Wert legt, gepflegt.

Unterstützt werden die Ehrenamtlichen durch die hauptamtliche Geschäftsführung, der die Umsetzung der Aufgaben obliegt. Bei Geschäftsführer Ruben Schäfer und dessen Mitarbeiterin Susanne Basler, Gabriele Dörrer und Silke Fritz laufen in der Baden-Badener Geschäftsstelle die organisatorischen Fäden zusammen. Ob nun die Durchführung der Gesellenprüfung ansteht, die Organisation einer Informationsfahrt, die Vorbereitung von Sitzungen und Versammlungen oder die Ausrichtung eines Seminars – die Organisation liegt in den bewährten Händen der Geschäftsführung. Außerdem ist die Geschäftsstelle erste Anlaufstelle für Fragen ihrer Mitglieder und Kunden. Hier können sich die Mitglieder über beispielsweise aktuelle Entwicklungen zum Tarif- und Arbeitsrecht informieren. Da die Innung auch Schiedsstelle für Verbraucher ist, ist die Geschäftsstelle auch in diese Fälle involviert.

Neben den satzungsrechtlichen und hoheitlichen Aufgaben bietet die Innung Ihren Betrieben seit vielen Jahren verschiedene Dienstleistungen rund um das tägliche Geschäft in Werkstatt und Autohaus an und unterstützt hier z.B. in der Arbeitssicherheit oder beim Datenschutz.