In einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH, Az.: VI ZR 115/19) hat sich der BGH bei der fiktiven Abrechnung zu den Stundenverrechnungssätzen der von den Versicherungen genannten Verweiswerkstätten geäußert. Danach sind nun alle bis zur vollständigen Bezahlung des Schadensbetrags erfolgten Preissteigerungen in den von der Versicherung benannten Verweiswerkstätten berücksichtigungsfähig – dies ist verfahrensrechtlich regelmäßig der Zeitpunkt der letzten mündlichen Tatsachenverhandlung.
Fazit:
1. Zwar bestätigt das obige Urteil des BGH nochmals die gängige Praxis der Versicherer, bei fiktiver Abrechnung auf günstigere Werkstätten in der Region zu verweisen. Trotzdem kann diese aktuelle Entscheidung des BGH die Versicherer ein wenig einbremsen. Denn wenn die Auseinandersetzungen mit der Versicherung länger dauern, berechnen die benannten Verweiswerkstätten bereits häufig (deutlich) höhere Stundenverrechnungssätze – insbesondere bei längeren Gerichtsverfahren. Nach dem BGH sind nun aber bei der fiktiven Abrechnung alle bis zur vollständigen Bezahlung des Schadensbetrags erfolgten Preissteigerungen berücksichtigungsfähig. Darauf sollte der Geschädigtenanwalt im Prozess verweisen.
2. Das aktuelle BGH-Urteil ist zu begrüßen, weil es den Geschädigten vor mutwilligen Verzögerungen bei der Schadenersatzleistung schützt. Außerdem kann der Geschädigte oft die (gedachte) Reparatur erst durchführen lassen, wenn der das gesamte dafür erforderliche Geld vom Schädiger bekommen hat. Bei länger andauernden Auseinandersetzungen sollte der Anwalt also stets der Frage nachgehen, ob die damaligen von der Versicherung benannten Preise der Verweiswerkstatt tatsächlich noch erhältlich sind.
(276-08/Julia Cabanis)