Wieder ist ein Autogipfel im Bundeskanzleramt zu Ende gegangen. Leider wieder ohne Beteiligung des Kfz-Gewerbes. „Es ist unbegreiflich, dass das Kfz-Gewerbe wieder ausgespart wurde“, kritisiert Verbandspräsident Michael Ziegler das Bundeskanzleramt. „Uns zu ignorieren, heißt, in Baden-Württemberg über 4.200 Kfz-Innungsbetriebe mit rund 53.000 Beschäftigten und über 9.000 Auszubildenden zu ignorieren. In Gesamtdeutschland sprechen wir von rund 37.000 oft mittelständisch geprägten Autohäusern und Werkstätten mit knapp 450.000 Mitarbeitern. Es gibt in der Automobilwirtschaft nicht nur Hersteller und Zulieferer mit ihren berechtigten Sorgen, sondern auch das Kfz-Gewerbe“, so Ziegler weiter.
Unterstützung kommt jetzt vom baden-württembergischen FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung (Wahlkreis Karlsruhe-Land), Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Dieser bekräftigte im Hinblick auf künftige Autogipfel seinen Standpunkt: „Umso wichtiger ist es dabei, alle relevanten Stakeholder der Branche ins Boot zu holen, um bei den Entscheidungen die gesamte Branche im Blick zu haben. Das Kfz-Gewerbe mit seinen zahlreichen Autohäusern und Werkstätten sind fester und wichtiger Bestandteil der Automobilbranche nicht nur in Baden-Württemberg. Die Corona-Pandemie hat auch diese Betriebe wirtschaftlich enorm getroffen. Es ist daher in keiner Weise nachvollziehbar, warum das Kfz-Gewerbe, wie schon so oft in der Vergangenheit, beim Autogipfel nicht berücksichtigt und einbezogen worden ist.“ Und weiter: „Die Corona-Pandemie und ebenso neue technologische Entwicklungen – wie die immer stärker werdende Bewegung hin zu Autos mit alternativen Antrieben – haben einen direkten Einfluss auf diese Betriebe. Das Kfz-Gewerbe, wie andere Bereiche der Automobilbranche auch, muss sich deshalb kontinuierlich an diese Trends und Veränderungen anpassen. Andersherum ist das Kfz-Gewerbe ebenso essenziell für den Erfolg politischer Maßnahmen und technologischer Entwicklungen. Es sind letztendlich die verkauften Autos, die den Erfolg der Branche und der einzelnen Zulieferer und Lieferanten bestimmen. Doch die Entscheidung eines Kunden ein Auto zu kaufen, fällt am Ende nicht beim Lieferanten, sondern beim Autohändler. Vor diesem Hintergrund spielt das Gewerbe eine zu große Rolle für die Automobilbranche, um beim Autogipfel von Politik und Wirtschaft ignoriert zu werden. Das ist ein enormer Fehler, der beim nächsten Autogipfel im November 2020 nicht wiederholt werden darf!”
Präsident Ziegler stimmt dem zu: „Wer etwa die Elektromobilität fördern will, muss auch die Kfz-Betriebe einbeziehen. Denn diese müssen innerhalb kürzester Zeit Milliardenbeträge investieren, um beispielsweise die elektrische Infrastruktur in Gebäuden und auf dem Firmengelände anzupassen. Und das ohne die Dynamik eines marktgetriebenen Trends zur Elektromobilität, die eine Amortisation der Investitionen in Aussicht stellen würde, sondern aufgrund einer politisch getriebenen. Nur mit einer Gesprächsbeteiligung des Kraftfahrzeuggewerbes bei den Autogipfeln könnten Ergebnisse erzielt werden, die nicht die Gefahr einer Benachteiligung der Branche bergen. Denn nur so könnten die Hersteller, die gerne öffentliche Förderungen einstreichen, auch in die Pflicht genommen werden, im Gegenzug nicht ihre Händler zusätzlich zu belasten, indem sie ihnen die kostspieligen Positionen aus dem von der Politik verordneten Lastenheft zuschieben.“
(LV 143-17/Carsten Beuß)