Mehrere Anrufe betroffener Mitglieder lassen uns zu dem Eindruck kommen, dass die bekannten Telefonbetrüger derzeit wieder hochgradig aktiv und leider auch in vielen Fällen erfolgreich sind. Dabei gehen sie offensichtlich immer raffinierter vor und schaffen es, selbst langjährige Tankstellenmitarbeiter, die immer wieder auf diese Betrugsmasche hingewiesen wurden und auch Mitarbeiterbelehrungen und Arbeitsanweisungen unterschrieben haben, zur Weitergabe von Codes zu überreden – was sich teilweise über Stunden hinzieht.
Derzeit läuft wieder die Masche, dass ein angeblicher Mitarbeiter eines Lieferanten (im Display wird sogar die Telefonnummer des Lieferanten angezeigt) anruft und nach dem Chef fragt. Wenn dieser nicht da ist, wird dessen Handynummer erfragt, denn man wisse ja, dass die Angestellten keine Codes herausgeben dürfen, was aber für das anstehende Update unerlässlich sei. Einige Minuten später ruft die Handynummer des Chefs an der Station an. Am Apparat ist aber der angebliche Sohn, Bruder oder beste Freund des Chefs, da der Chef gerade ganz dringend beschäftigt ist, und teilt mit, dass tatsächlich ein existenziell wichtiges Update erfolgen müsse. Der ursprüngliche Anrufer werde sich gleich noch einmal melden und sich durch Code „123“ (Beispiel) als berechtigt identifizieren. Wenn der Anrufer sich derart identifiziere, dann müsse der Angestellte Codes drucken und mitteilen, ansonsten natürlich auf gar keinen Fall – schließlich seien ja viele Betrüger mit dieser Masche unterwegs. Natürlich meldet sich dann der ursprüngliche Anrufer mit dem richtigen Code.
Was sich so lächerlich anhört, erfolgt offensichtlich auf sehr geschickte und geschulte Weise. In einem Fall hat der Betrüger dem Tankstellenangestellten nach mehr als dreistündigem Telefonat (mit entsprechendem Schaden in Höhe von etwa 3.000,- Euro) noch ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit gedankt. Der Angestellte habe seinem Chef hohe Kosten erspart und dafür dürfe er sich – das sei ebenfalls mit dem Chef abgesprochen – zur Belohnung eine Flasche Whisky aus dem Spirituosenregal mit nach Hause nehmen.
Was hilft (zumindest tendenziell) gegen solche Betrüger?
 Zunächst einmal ständiges und erneutes Erinnern der Mitarbeiter, dass keine Freischalt-Codes, Telefonnummern oder sonstige Daten am Telefon weitergegeben werden dürfen.
 Sicherstellen, dass jeder neue Mitarbeiter die Mitarbeiterbelehrung mit Kenntnisnahmebestätigung gelesen, verstanden und unterschrieben hat
 Plakative Warnung der Mitarbeiter vor der aktuellen Betrugswelle direkt an der Kasse auslegen!
 Sofern möglich, ab einer gewissen Uhrzeit (die Betrüger rufen vornehmlich abends an), den Stationsfestnetzanschluss auf einen Anrufbeantworter umleiten. Echte Kunden (und echte Chefs) müssen dann notfalls zurückgerufen werden.
 Im eigenen Interesse und im Interesse der ganzen Branche: Es ist unbedingt erforderlich, jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen. Die von vielen Mitgliedern festgestellte Unwissenheit und auch Überforderung der zuständigen Behörden (Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte) wird sich erst dann ändern, wenn sich durch entsprechende Fallzahlen in der Kriminalstatistik entsprechender Druck aufgebaut hat.
Die Mitarbeiterbelehrung mit Kenntnisnahmebestätigung sowie die plakative Warnung kann auf http://www.kfz-bw.de / Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst heruntergeladen werden.
(TS 283/Julia Cabanis)