Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat im Juni ihr monatliches DAT-Barometer veröffentlicht, für das im Wechsel Flottenbetreiber, Privatkunden und Autohändler befragt werden. Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Automobilhandel.
Hier die Ergebnisse der Händlerbefragung im Überblick:
• Die Diskussion um Kaufprämien wurde zur Hängepartie: Trotz des regen Kundenzulaufs und Beratungsbedarfs zögerten wegen der Diskussionen um eine Kaufprämie 57 Prozent der Kaufinteressenten beim Handel bis Ende Mai ihren geplanten Autokauf hinaus.
• Händler wurden häufiger mit Nachlassforderungen konfrontiert: 67 Prozent der Händler bestätigten, dass private Interessenten vermehrt Nachlässe fordern. Ein Viertel der Autohändler registrierte keine gestiegene Zahl an Nachlassforderungen.
• Händler haben Probleme bei der Beschaffung individuell konfigurierbarer Neuwagen: 59 Prozent der Händler gaben an, Schwierigkeiten bei der Beschaffung individuell konfigurierbarer Neufahrzeuge und auch beim Zukauf von Werksdienstwagen zu haben.
• Wenig Entlassungen wegen Corona: Trotz der für den Autohandel schwierigen Situation gab es wenige Entlassungen wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie. Aufgrund der vielfach im Automobilhandel realisierten Kurzarbeit mussten „nur“ 16 Prozent der Händler Mitarbeiter entlassen.
• Befragte sehen Geschäftsaussichten für 2. Halbjahr verhalten optimistisch: 6 Prozent der Händler sehen die Aussichten auf das zweite Halbjahr wieder deutlich besser, 34 Prozent etwas besser.
• Händler fordern Pkw-Zulassung in den Autohäusern: 85 Prozent der Händler würden es begrüßen, die Zulassung von Fahrzeugen ohne Zutun einer Behörde/Zulassungsstelle vornehmen zu können.
• Der Gebrauchtwagen-Risikobestand beim Handel ist gewachsen: Bezogen auf die Gesamtmenge aller Gebrauchtwagen im Bestand eines Händlers stehen einige Fahrzeuge deutlich länger, als dies betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Aktuell stehen durchschnittlich 38 Prozent aller Gebrauchtwagen beim Handel länger als 90 Tage.
• Die Gebrauchtfahrzeugwerte sind nur leicht gesunken: Die Analyse der Wertentwicklung für dreijährige Gebrauchtwagen wurde im März und April 2020 wegen des Lockdowns ausgesetzt. Die im Mai 2020 verkauften Pkw erzielten im Schnitt noch einen Wert von 55,4 Prozent (Benzin-Gebrauchtwagen) bzw. 51,3 Prozent (Diesel-Gebrauchtwagen).
• Neuzulassungen und Besitzumschreibungen bewegen sich weiter deutlich unter Vorjahresniveau.
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski kommentierte diesmal die Ergebnisse der DAT: „Der Automobilhandel steht vor einem extrem herausfordernden zweiten Halbjahr. Erst hat das Warten auf die dann doch nicht beschlossene Kaufprämie auch für schadstoffarme Verbrenner für Zurückhaltung gesorgt. Und jetzt zögern viele Kunden den Autokauf hinaus, um die ab 1. Juli sinkende Mehrwertsteuer mitzunehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kfz-Zulassungsstellen teilweise auch jetzt noch gar nicht oder lediglich eingeschränkt verfügbar sind. Jedes Fahrzeug, das beim Handel steht und nicht zugelassen werden kann, bindet Kapital, das für die Händler aktuell besonders wichtig für das wirtschaftliche Überleben ist. Diese Erfahrung zeigt uns ganz klar: Wir brauchen jetzt sehr schnell die Online-Zulassung im Autohaus. Technisch dürfte das kein Problem sein, es gibt jedoch noch rechtliche Fragen zu klären. Denn auf Dauer dürfen wir uns nicht derartig von einer schwerfälligen Bürokratie abhängig machen. Dieses Verhalten ist nicht mehr zeitgemäß.“
Die ausführliche Darstellung der einzelnen Themen finden Sie auf https://barometer.dat.de/.
(633-00/Steffen Kraus)