Die Europäische Kommission hat ihre vierteljährliche Wirtschaftsprognose („Frühjahrsprognose“) veröffentlicht. Die Schätzung steht ganz im Zeichen einer Rezession, wie es sie in der Geschichte der EU noch nie gegeben hat.
Für 2020 wird in der EU ein Konjunktureinbruch von insgesamt 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet, der im kommenden Jahr nur teilweise mit einem voraussichtlichen Wachstum von 6,0 Prozent ausgeglichen werden kann. Die Prognose basiert auf drei wesentlichen Annahmen: Die Eindämmungsmaßnahmen werden nach und nach zurückgefahren, die Ausbreitung bleibt unter Kontrolle (es gibt keinen zweiten Ausbruch) und die nationalen und europäischen geldpolitischen sowie fiskalpolitischen Maßnahmen zur Begrenzung des wirtschaftlichen Schadens zeigen Wirkung.
Selbst dann würde die EU noch Wirtschaftseinbußen von 3,0 Prozent gegenüber der Herbstprognose einfahren. Das Investitionsvolumen soll um 7,0 Prozent geringer ausfallen als bisher angenommen, das Beschäftigungsniveau läge 2021 1,0 Prozent unter dem von 2019. Weitere konjunkturhemmende Faktoren sind: Beeinträchtigung weltweiter Wertschöpfungsketten, Einbruch und nur teilweise Erholung des privaten Konsums, anhaltende Unsicherheit, hohe Gesamtverschuldung mancher Länder und die unsichere Entwicklung der Pandemie.
Annahmen für Deutschland
Die Einschränkungen im Zusammenhang mit Covid-19 haben Deutschland in seine tiefste Krise nach dem Krieg gestürzt. Die aktuelle interne und externe Nachfrageschwäche sowie der Zusammenbruch von Lieferketten führen nach den Berechnungen der Kommission dieses Jahr zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,5 Prozent. Unter den oben genannten drei Annahmen sollte Deutschland aber Ende 2021 wieder das Niveau von 2019 erreichen, auch dank der höchst umfangreichen und zeitnahen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld helfen laut Kommission dabei, die Arbeitslosenquote in 2020 bei relativ niedrigen 4,0 Prozent zu halten, – 0,8 Prozentpunkte mehr als 2019.
(173-00/Carsten Beuß)