Die derzeitige Situation stellt für alle Bereiche unserer Gesellschaft und auch für die Tankstellen-Branche eine schwierige Herausforderung dar. Für die Tankstellen gilt das in besonderem Maße. Einerseits ist die „Systemrelevanz” allseits anerkannt, die Beibehaltung der Öffnung der Betriebe also ausdrücklich gewünscht. Andererseits sind insbesondere die Kraftstoffabsätze und damit verbunden auch die Shopumsätze gerade bei den Warengruppen mit hohem Bruttoverdienst erheblich zurückgegangen. Die Provisionseinnahmen der Tankstellenbetreiber haben sich nach den derzeit vorliegenden Informationen um teilweise bis zu 50 Prozent vermindert.
Die Kosten der Tankstellenbetreiber, insbesondere im Personalbereich und bei den Pachten, bleiben hingegen im Wesentlichen gleich. Die Beibehaltung der Öffnungszeiten führte zu einer gleichmäßigen Besetzung wie in den Zeiten vor Beginn der Krise. Die von der Politik entwickelten Unterstützungsmaßnahmen wie KfW-Darlehen und Sofortleistungen stehen den meisten Tankstellenbetreibern aufgrund der Anforderungskriterien nicht zur Verfügung.
Soweit uns bekannt, haben bisher erst zwei Mineralölgesellschaften auf diese Situation reagiert, indem sie den Betreibern der Tankstellen ihrer Marke einen vollständigen Ausgleich der durch die Umsatzrückgänge in Kraftstoffgeschäft verlorenen Provisionen zugesagt haben.
Solche Unterstützungsleistungen der Mineralölgesellschaften und Tankstellenverpächter sind aus unserer Sicht in der aktuellen Situation allgemein erforderlich und dringend geboten. Andernfalls wird es den Tankstellenbetreibern nicht möglich sein, Vorsorge für eine länger andauernde Krise, wie sie sich derzeit abzeichnet, zu treffen. In dieser Situation ist das solidarische Handeln aller Beteiligten in der Tankstellen-Branche erforderlich. Für nur überbrückungsweise hilfreich halten wir Maßnahmen wie Pachtstundungen und Verlängerungen von Zahlungszielen, die letztlich das Liquiditätsproblem in ein Schuldenproblem der Betreiber verändern, aus dem diese in vielen Fällen auch bei einer noch nicht absehbaren Normalisierung der Situation kaum wieder herauskommen können.
Nicht zuletzt aufgrund des für die Tankstelle-Branche vereinbarten „Verhaitenskodex” sollte deshalb auch durch alle Gesellschaften kurzfristig die direkte Unterstützung der mit ihnen verbundenen Tankstellenbetreiber geprüft und umgesetzt werden. Nach den uns vorliegenden Informationen sind solche Unterstützungsleistungen bislang bei vielen Gesellschaften ausgeblieben.
Deshalb hat sich nun der Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) an 15 Mineralölgesellschaften gewandt und nachdrücklich um Unterstützung der Tankstellenpartner gebeten. Ein gesondertes Schreiben hat die OMV erhalten, deren Geschäftsgebaren in letzter Zeit für starke Kritik unter den Mitgliedern gesorgt hat.
(100-16/Julia Cabanis)