Tankstellenbetriebe in Baden-Württemberg erleben in diesen Corona-Tagen nur wenige Lichtblicke. Einer davon ist jedoch die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts. Sie weist für das Jahr 2019 nur noch 52 Überfälle im Land aus, 2018 waren es noch 73. Das ist der niedrigste Wert in den letzten zehn Jahren. Die Entwicklung 2019 hin zu weniger Überfällen ist erfreulich, wenngleich jeder Überfall einer zu viel ist. Gut ist auch, dass sich das Überfallrisiko in Baden-Württemberg von 3,9 auf 2,8 Prozent verringert hat, im Bund liegt das Risiko bei knapp über vier Prozent.
Die Aufklärungsquote liegt der PKS zufolge bei 55,8 Prozent, eine Verbesserung gegenüber 2018 um einen Prozentpunkt. Das ist zwar schön und gut, doch hat beispielsweise Bayern eine drastische Verbesserung der Aufklärungsquote auf 75 Prozent erzielt, obwohl sich die Überfallzahlen dort stark erhöht haben. Allerdings deutet die Statistik in Bayern auch darauf hin, dass hier Mehrfachtätern das Handwerk gelegt wurde. Mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, beeinflusst die Quote stark. Unterstützend wirkt sich auch die moderne Überwachungstechnik in Tankstellenbetrieben aus. Dank hochauflösender Kameras können Tankstellenbetriebe bei der Identifizierung der Täter helfen. Auch wenn jemand vergessen hat, für seinen Sprit zu zahlen oder wenn er einen Mundschutz trägt. Vermummt waren Kriminelle schließlich auch bisher meist.
Mit dem seit Corona vermehrten und seit 27. April beim Einkauf obligatorischen Mundschutz- bzw. Gesichtsmaskentragen ist im Übrigen keine erhöhte Klau- oder Überfalltendenz festzustellen. Allerdings bisweilen schon ein mulmiges Gefühl bei den Mitarbeitern, da sie nun kein Kundengesicht mehr komplett sehen können. Beruhigend wirkt sich aber die gesunkene Überfallquote aus. Schon vor Corona war der Bargeldbestand der Tankstellenbetriebe niedrig, dank häufiger Abschöpfung der Kassenbestände. Das hat sich auch bei Kriminellen herumgesprochen. Und aktuell kommt kaum noch Bargeld in die Kasse. Einerseits, weil die Umsätze um die Hälfte, an Wochenende sogar um bis zu zwei Drittel, eingebrochen sind. Andererseits, weil die Kunden aus Hygienegründen auf Bargeld verzichten.
Anmerkung zur Polizeilichen Kriminalstatistik
Der Begriff „Erfassung“ bedeutet, dass in der PKS nur die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie endbearbeiteten Straftaten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche abgebildet werden. Eine statistische Erfassung erfolgt erst bei Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Für die Polizei gilt die Tat als aufgeklärt, wenn nach ihrer Einschätzung ein Tatverdächtiger mit „hinreichendem Tatverdacht“ ermittelt wurde, unabhängig davon, ob der Verdächtige angeklagt oder verurteilt wird. Solange kein Tatverdächtiger ermittelt wurde, findet ein Überfall in der Statistik nicht statt. Nicht angezeigte Straftaten, die einen Teil der sogenannten Dunkelziffer ausmachen, finden in der PKS ebenfalls keine Berücksichtigung. Gleichwohl dient die Statistik als Annäherung an die Kriminalitätsrealität.
(TS 283-00/Julia Cabanis)