Über 40 Prozent der Kfz-Betriebe in Baden-Württemberg fürchten, in den nächsten Wochen zahlungsunfähig zu werden. Das ist das Ergebnis einer weiteren Blitzumfrage, die unser Verband mit unseren Mitgliedern Ende März gemacht hat: Dass knapp 60 Prozent der Befragten diese Sorgen noch nicht teilen, zeigt zwar, dass das Kfz-Gewerbe an sich gesund ist. Zudem sind die reinen Werkstattbetriebe, die deutlich mehr als die Hälfte der Mitgliedsunternehmen ausmachen, oft noch nicht so gravierend betroffen wie die Autohäuser, die den Autohandel schließen mussten. Ferner liegt das Umfrageergebnis aber auch sicher daran, dass sich alle auf die Zusage der Landespolitik verlassen, dass schnell Zuschüsse ausbezahlt werden. Wobei die Betonung auf schnell liegt, denn ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass sich bei 69 Prozent der Betriebe die Situation im Vergleich zur Vorwoche verschärft hat. Dass die Nachfrage nach Werkstattdienstleistungen ganz unterschiedlich ist spielt hier auch eine Rolle.
75 Prozent der Betriebe haben mit der Stornierung von Aufträgen zu kämpfen: Unsere Werkstätten, die schon deshalb offenhalten müssen, um Wartung und Reparaturen an systemrelevanten Fahrzeugen wie Kranken-, Rettungs- und Notarztwagen zu gewährleisten, könnten zusätzlich Wartungsaufträge gebrauchen. Es wäre schön, wenn insbesondere Privatleute die Zeit für Wartungsdienstleistungen und Reparaturen nutzen würden. Ohne zusätzliche Aufträge wird das Werkstattnetz gezwungenermaßen ausgedünnt: 76,3 Prozent unserer Betriebe planen bereits Kurzarbeit, 44,9 Prozent Abbau von Arbeitszeitkonten und 15,3 Prozent zeitweilige Betriebsschließungen. Es gibt aber auch einen, im Moment mit zwei Prozent noch kleinen, Teil der Betriebe, dessen Inhaber sich überlegen, ob sie vollständig schließen. Wie sich das tatsächlich entwickelt, hängt auch stark davon ab, wie die Hersteller agieren und wie die versprochenen Hilfen funktionieren. Nach der ersten Hoffnungswelle gab es inzwischen eine erste Frustwelle, weil Anträge auf Soforthilfe ins Leere liefen, nachdem vorher große Hoffnungen geschürt wurden. Dabei ging es häufig darum, ob und wie privates Vermögen eingesetzt werden muss, bevor Hilfen beantragt werden können. Nach der Ankündigung des Wirtschaftsministeriums, die Vergabepraxis noch einmal zu überprüfen und den Einsatz liquider Mittel auf den unmittelbaren betrieblichen Kontext zu beschränken, um privates Vermögen der Antragsteller so weit wie möglich zu schonen, empfiehlt unser Verband allen Antragstellern aus dem Kfz-Gewerbe, jetzt aktiv zu werden und Anträge erneut einzureichen.
Das Soforthilfeprogramm „für die kleineren unter unseren Betrieben“ kann aber nur ein erster Schritt sein. Das Kraftfahrzeuggewerbe Baden-Württemberg braucht auch Hilfen für Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten: Wir fordern ein Zuschussprogramm für alle Kfz-Betriebe, denn auf die Sofortauszahlung der Gelder für kleine Betriebe und Werkstätten muss ein Zuschussprogramm auf der Basis der jetzt durch die Corona-Maßnahmen wegbrechenden Umsätze folgen. Kredite können der Situation, die massive Einbußen bringt, nicht allein gerecht werden. Allein der Autohandel wird bis Juni mindestens 3,3 Milliarden Umsatz einbüßen, eventuell sogar mehr, weil jetzt eigentlich die umsatzstarken Frühjahrsmonate kommen. Baden-Württemberg sollte deshalb ein Zuschussprogramm auflegen, das sich beispielsweise an den Umsätzen des Vorjahres (die stehen in den Umsatzsteuererklärungen) orientieren kann und einen Teilausgleich vorsehen. Nur so kann sichergestellt werden, dass aus der Angst vor Zahlungsunfähigkeit nicht echte Konkurse werden.
(220-41/Steffen Kraus)