Der ADAC Württemberg hat aktuell über eine Distanz von 50.000 Kilometern im Rahmen eines Alltagstests die Haltbarkeit und Wirksamkeit von Hardware-Nachrüstungen bei mehreren Euro 5 Diesel-Autos getestet. Bereits im Februar 2018 haben wir in unserem Monatsdienst über das Projekt und die enormen Reduktionsraten bei den Sickoxiden (NOx) berichtet.

Beim aktuellen Langzeittest wurde die Funktionsstabilität der Systeme dreier Anbieter unter verschiedenen klimatischen Bedingungen wie Hitze, Kälte, Regen und Schnee untersucht. Um die NOx-Emissionen regelmäßig zu ermitteln, mussten sich die Testwagen alle 10.000 Kilometer auf dem Abgasprüfstand einer Untersuchung nach WLTC unterziehen. Zum Untersuchungsumfang des Projekts gehörten insbesondere auch mehrere Emissionsmessungen im realen Straßenverkehr.

Obwohl die SCR-Systeme im Test nicht auf den strengen Grenzwert der Nachrüstrichtlinie hin konstruiert worden waren, unterschritten alle drei beteiligten Fahrzeuge im sommerlichen Fahrbetrieb bei über 23 °C den Basis-Grenzwert von 270 mg/km. Je nach System lagen die Reduktionsraten zwischen 64 (VW T5, Oberland Mangold) und 80 Prozent (Fiat Ducato, HJS), die erreichten Emissionswerte bei 209 mg/km (Fiat), 244 mg/km (VW) und 247 mg/kg. Auffällig waren die trotz sommerlicher Temperaturen sehr hohen ungereinigten Serienemissionen bei allen drei Testfahrzeugen, die mit Werten zwischen 676 und 1.021 mg/km um ein Vielfaches über dem Prüfstand-Grenzwert der Abgasnorm Euro 5 liegen.

Niedrigere Außentemperaturen sorgten im Herbst für noch einmal deutlich erhöhte Serienemissionen der drei umgerüsteten Fahrzeuge – teilweise verdoppelten sich diese gegenüber der RDE-Messung bei sommerlichen Temperaturen auf bis zu knapp zwei Gramm Stickoxid pro Kilometer. Und das, obwohl sich die herbstlichen Messungen noch in einem Temperaturbereich bewegten, der der deutschen Jahresdurchschnittstemperatur entspricht (ca. 9,5 °C). Die SCR-Nachrüstsysteme zeigten bei zehn Grad Celsius Außentemperatur immer noch eine hohe Minderungsleistung, auch wenn diese insgesamt etwas geringer ausfiel, als noch bei sommerlichen Temperaturen. Das liegt vor allem daran, dass die SCR-Systeme unabhängig vom Motor arbeiten und nach Kaltstart länger benötigen, um auf Temperatur zu kommen. Die gemessenen NOx-Reduktionsraten lagen aber immer noch bei hohen 51 bis 77 Prozent. Der Ausstoß an Stickoxiden sinkt dadurch zwar deutlich, doch der absolute NOx-Wert liegt jedoch selbst dann noch bei mindestens 400 mg/km und damit klar über dem in der Richtlinie definierten Grenzwert für diesen Temperaturbereich.

Die Messungen zeigen, dass die Serienemissionen durch den Einsatz der sogenannten „Thermofenster” bereits bei Temperaturen von rund +13 °C je nach Modell stark ansteigen können. Der in der Richtlinie festgelegte Verschlechterungsfaktor für niedrige Temperaturen (540 mg/km) greift jedoch erst bei +5 °C. Es scheint, als gehöre der Temperaturbereich zwischen +5 °C und +13 °C zu den größten Herausforderungen, den Grenzwert einzuhalten, wenn die Automobilhersteller die Nachrüstunternehmen nicht durch Softwareupdates unterstützen, so der ADAC. Der Gesetzgeber gehe in der Nachrüstrichtlinie davon aus, dass bei diesen Durchschnittstemperaturen kein Verschlechterungsfaktor zur Bewertung der Abgase notwendig ist. Die Praxis zeigt aber, dass die Fahrzeughersteller die serienmäßige Abgasreinigung stark drosseln. Die sehr hohen Serienemissionen bekommen dann selbst wirkungsvolle Nachrüstsysteme nicht mehr ausreichend in den Griff, auch wenn die Stickoxide absolut gesehen um bis zu 1.400 mg/km reduziert werden können!

Fazit:

Die nachgerüsteten SCR-Katalysatoren arbeiten auch nach 50.000 Kilometern noch zuverlässig. Zudem lagen die Minderungsraten von NOx-Emissionen bei bis zu 80 Prozent und bestätigen damit die bereits vorliegenden Projektergebnisse aus 2018.

•Die getesteten Prototypen zeigen zum Teil Probleme, bei niedrigen Temperaturen die sehr niedrigen Grenzwerte der Nachrüst-Richtlinie in Höhe von 270 mg/km einzuhalten. Grund dafür sind vor allem die ansteigenden Serienemissionen aller Testfahrzeuge in diesen Thermofenstern.

•Bis auf einige konstruktive Schwächen der Prototypen sowie mechanische Defekte zeigten sich die SCR-Nachrüstsysteme als absolut alltagstauglich.

•Das Projekt lieferte weitere Erkenntnisse, wie die Entwicklungsarbeit der Nachrüstfirmen noch optimiert werden kann.