Der Bundesgerichtshof (BGH, Az.: VI ZR 141/18) hat entschieden, dass ein Unfallgeschädigter aufgrund seiner Schadensminderungspflicht auch dann gehalten sein kann, ein ihm vom Kfz-Haftpflichtversicherer vermitteltes günstigeres Mietwagenangebot in Anspruch zu nehmen, wenn dem günstigeren Angebot ein Sondertarif zugrunde liegt. Dies gilt auch, wenn ihm dieser Mietwagentarif ohne Mithilfe des Versicherers außerhalb der Unfallsituation nicht zur Verfügung stünde.

Fazit:

• Das hier besprochene Urteil des BGH ist von enormer Bedeutung für die Abrechnung von Mietwagenkosten. Danach ist es künftig zulässig, wenn der Versicherer den Geschädigten auf günstigere Anmietmöglichkeiten verweist. Sind entsprechend dieser Hinweise seriöse und wesentlich günstigere Anmietmöglichkeiten für den Geschädigten vorhanden, kann er nur diese Kosten ersetzt verlangen, wenn er dennoch zu ungünstigeren Konditionen ein Fahrzeug anmietet. Dies gilt unabhängig davon, ob es Vermittlungsangebote der Versicherer sind.

• In der Praxis wird dieses Urteil sicherlich dazu führen, dass die Versicherer ihre bisherige Vorgehensweise intensivieren werden und den Geschädigten wohl umgehend nach dem Unfall auf günstigere Anmietmöglichkeiten aufmerksam machen.

• Hat der Geschädigte allerdings bei Angebotsübermittlung bereits einen Ersatzwagen angemietet, ginge eine solche Verweisung für die bereits entstandenen Kosten wahrscheinlich ins Leere. Unklar ist jedoch, ob nach der nun geänderten BGH-Rechtsprechung künftig vom Geschädigten für den Fall eines günstigeren Vermittlungsangebots verlangt wird, dass er seinen bereits angemieteten Ersatzwagen zurückgibt und anschließend günstiger anmietet. Angesichts der neuen BGH-Rechtsprechung ist das zumindest nicht ganz auszuschließen.

• Bedauerlich ist die Entscheidung des BGH auch deshalb, weil es durchaus wohl öfter bei den von Versicherern vermittelten Angeboten zu (teils erheblichen) Schwierigkeiten kommt (z.B. Verzögerung der Mietwagenübergabe, Verlängerung der Automietdauer). In der Praxis wird die Durchsetzung ausstehender Mietwagenkosten sicherlich nicht leichter und macht in vielen Fällen letztendlich versierte fachanwaltliche Hilfe unumgänglich