Das Bundeskartellamt hat am 12. April seinen Jahresbericht 2018 zur Tätigkeit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) veröffentlicht. Für den Bericht wurden die deutschlandweiten Kraftstoffpreise für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018 ausgewertet, für neuere Entwicklungen auch bis in den März 2019.

Um es vorweg zu nehmen: Viel Neues enthält der Bericht nicht, leider auch nicht in Hinsicht auf bisherige Fehleinschätzungen.

Weiterhin melden mehr als 14.750 Tankstellen an die MTS-K, und die Tankstellenverteilung nach Bundesländern ist praktisch unverändert geblieben. Wie sollte es auch anders sein bei einem relativ stabilen Netz.

Ebenfalls gleich geblieben ist die Höhe des Unterschieds im Preisniveau je nach Region: maximal sieben Cent / Liter und für die weit überwiegende Zahl der Regionen maximal fünf Cent / Liter. Diese Unterschiede gab es auch in den Vorjahren.

Immer noch beschränkt das Kartellamt bei der Beurteilung, ob „esonderheiten” in der Preisentwicklung zu sehen sind, seine Sichtweise auf die Frage, ob die Entwicklung der Kraftstoffpreise der Entwicklung der Rohölpreise folgt, statt dass man sich die Entwicklung der Einkaufspreise für die verschiedenen Produkte Benzin und Diesel ansieht. Hätte man die letztere Betrachtungsweise gewählt, wären die Beobachtungen, dass sich während der Niedrigwasserphase im letzten Herbst die Kraftstoffpreise von den Rohölpreisen abkoppelten, ebenso selbsterklärend wie diejenige, dass „ür Sondersituationen beim Diesel aufgrund seiner sehr großen chemischen Nähe zu Heizöl auch die Heizperiode eine Rolle spielen” kann.

Dass seit Einführung der MTS-K immer kürzere und stärker ausgeprägte Kraftstoffpreiszyklen zu beobachten sind, war bisher in jedem bisher erschienen Bericht zu lesen, so auch in diesem. Aktuell, und das ist tatsächlich neu, ist auch noch beobachtet worden, dass die Kraftstoffpreise „ach der ersten Phase fallender Preise am Morgen bereits ab etwa 10 Uhr wieder angehoben” werden. Mit der Verfeinerung ihrer Pricing-Software und mit Hilfe des totalen Überblicks über die Wettbewerbspreise dank der MTS-K (im Grunde reagieren Computer auf Computer) schaffen es die großen Gesellschaften eben immer besser, das „piel” zu verfeinern, d.h., auch weitere Zyklen einzubauen. Die totale Preisübersicht ist eben nicht nur verbraucherfreundlich.

Wirklich ärgerlich für Branchenkenner ist die Tatsache, dass das Kartellamt wieder einmal lapidar die deutlichen Preisunterschiede zwischen „utobahntankstellen und Tankstellen an anderen Straßen” feststellt – und keine Schlussfolgerung daraus zieht. Dabei falle „ns Auge, dass die Preise im Schnitt selbst an unmittelbar neben der Autobahn liegenden Autohöfen deutlich mehr als 10 Cent / Liter unter denen an Autobahntankstellen liegen.” Wie der EID zu Recht schreibt, wird im deutschen Tankstellenmarkt „ontrovers darüber diskutiert, inwiefern die hohen Auktionskosten aus der jüngsten Versteigerung von Einlieferungsrechten wie auch andere Gebührensteigerungen für die Betreiber von Autobahntankstellen die Kraftstoffpreise dort mit nach oben getrieben haben.” Auf diese Zusammenhänge geht das Amt aber weiterhin in keiner Weise ein, obwohl es bereits vor der ersten derartigen Auktion angekündigt hatte, es wolle die Auswirkungen der Auktion auf den Wettbewerb prüfen. Bei relativ homogenen Produkten wie den Kraftstoffen zeigen sich Auswirkungen auf den Wettbewerb am offensichtlichsten über Preisabstände!

Warum das Kartellamt wie in den Jahren zuvor wiederum betont, dass „keine wesentliche Anhebung der Preisniveaus für die Oster- oder die Pfingstzeit festgestellt werden” konnte, können wir uns nur damit erklären, dass immer noch jemand daran glaubt, die Entwicklung der Kraftstoffpreise orientiere sich an deutschen Feiertagen oder Ferienzeiten. Was rechtfertigt also diesen doch recht aufwändigen Bericht? Dafür hat sich das Bundeskartellamt etwas Neues einfallen lassen:

„urch eine aktive Nutzung der verfügbaren Informationen zu den Kraftstoffpreisen, insbesondere über die Tank-Apps, haben es die Verbraucherinnen und Verbraucher ein großes Stück selbst in der Hand, günstig zu tanken und den Wettbewerb unter den Tankstellen zu fördern. Welches Sparpotential schon ohne größeren Aufwand besteht, lässt sich an einfachen Beispielen erkennen. Für den vorliegenden Bericht wurde insofern zum einen ein noch überschaubarer Weg zur Arbeit in Bonn beleuchtet, zum anderen eine Fahrt von Berlin quer durch Deutschland in den Urlaub nach Garmisch-Partenkirchen. Sowohl auf der betrachteten Pendelstrecke als auch auf der betrachteten Fahrt in den Urlaub gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Tankmöglichkeiten. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Uhrzeit, zu der man tanken möchte, als auch hinsichtlich der konkreten Tankstelle, die man anfährt. Beides hat einen Einfluss auf das Sparpotential. Auf dem Weg zur Arbeit und zurück lassen sich bei der Sorte E5 zu üblichen Pendelzeiten durch die richtige Wahl ohne Weiteres mehr als 10 Cent / Liter sparen. Auf der Fahrt in den Urlaub leicht sogar 25 Cent / Liter.”

Diese Ausführungen sind angereichert durch hübsche Grafiken, u.a. eines Stadtplans der schönen Stadt Bonn. Den vollständigen Bericht, der noch viele weitere Grafiken enthält, steht auf der Internetseite des Bundeskartellamts zum Download bereit.